Im Müll

Ich wollte unbedingt mal wieder etwas schreiben und neulich hatte ich dann endlich die Gelegenheit und Lust dazu… Entstanden ist ein kleiner Dialog zwischen den von mir erfundenen und fiktiven Charakteren Nikopol und Kris. Der Einstieg ist abrupt, das Ende nicht so ganz – kommt davon, wenn man einfach drauf los schreibt. Vielleicht sollte ich auch noch erwähnen, dass ich in dem Entstehungszeitraum vermehrt diverse Endzeit-Filme geschaut habe.. “The Quiet Earth” und “Six-String Samurai” zum Beispiel. Wobei mich “The Quiet Earth” anscheinend am meisten beeinflusst hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige Stellen in dem Text noch mal gründlich überarbeitet werden sollten, aber im Moment habe ich ungekünstelt einfach keine Muse mehr dafür. Der Anfang gefällt mir noch nicht und das Ende ist unkreativ. Wie dem auch sei… lest am besten einfach selbst.

Kris trifft “im Müll” auf Nikopol. Beide geraten in ein Streitgespräch.

Nikopol:

…Vergiss’ es wieder. Du kannst es nicht sein, denn Du bist schon lange und viele Jahre tot.

Kris:

So schwer ist es nun auch wieder nicht. Wäre ich tot, könnte ich dann hier sein?

Nikopol:

Ach was weißt Du denn schon! Tauchst hier einfach so wieder auf. Völlig ohne Haltung, ohne Erwartungen? Das soll ich dir etwa glauben?

Kris:

Du musst, denn es ist deine Pflicht, so wahr ich hier vor dir stehe und wir haben nicht viel Zeit dafür!

Nikopol:

Meine Pflicht? Wie kannst Du mir sagen, was meine Pflicht sei?

Kris:

Ich bitte dich! Wir sind uns gleich, du wie ich, dass weißt du genauso gut wie ich! Gekommen bin ich nur aus dem einen Grund – Du musst mir zuhören!

Nikopol:

Zuhören? Bist du der oberste der Oberen? – Wie kannst du so etwas sagen? Du bist nicht real!

Kris:

Ja! Du musst zuhören, wie es weiter geht, wie mir geschieht! Ich muss dich belehren, so glaube mir doch. Ich stehe vor dir, ich bin echt!

Nikopol:

Ach, so höre mir mit dem kindischem Gefasel auf, was kannst du denn schon belehren? Deine Flügel gestutzt, dein Herz zerstört, die Welt liegt in Trümmern und du willst mir sagen, ich muss lernen? Was, außer Schmerz und Trauer könntest du mir schon beibringen wollen? Du hast uns verlassen, schon vor so langer Zeit. Nicht ich bin der, der lernen sollte. Du bist es und so wahr ich hier stehe, so wahr ich dir sage, direkt in deine Augen, mein Schwert musst du spüren – nicht nachher oder morgen, sofort, jetzt, direkt auf deinen Schädel, die Schneide muss fliegen, der Hieb soll dich treffen!

Kris:

Du hast allen Grund erzürnt zu sein, doch höre mich an! Soll das meine Schwert dich zähmen, deine Schneide stoppen, um mich zu retten!

Nikopol:

Nein! Nimm den Schlag als den deinen auf dir selbst, weiche ruhig aus, treffen werde ich dich schon noch, deine Kraft ist verbraucht, ich stehe erst am Anfang! —

Kris:

— Am Anfang der Reise! Meine Zeit ist vielleicht gekommen, die deine wird alsbald besiegelt sein! So höre mich, ich flehe dich an! Die Welt wird wieder auferstehen, die Pflanzen erblühen, Leben kann noch existieren, es ist nicht alles verloren! Es scheint so, dass mag sein, doch das Leben liegt im Detail – Nicht alles ist immer offensichtlich!

Nikopol:

Nicht alles verloren? Lügner! Unmöglich! Ich habe es selbst gesehen. Die Bomben fielen, die Körper verdorrt, im Sand verweht und vom Wind getragen! Die Zellen verbrannt, vernichtet, einfach so, ohne erbarmen, ohne reue, in einem Augenschlag, einfach so, wie ich es dir sage!

Kris:

Mein bester Freund, mein einziger Freund! Viel Zeit ist unterdessen vergangen, die Welt erholt sich langsam. Sie steht noch am Anfang, so wie du am Anfang der Reise stehst, doch glaube mir, ich sage dir, es wird wieder blühen. Das Grün wird wieder Sporen tragen, es wächst schon jetzt. Wir haben viele Herzen verloren, viele unserer vergingen in den letzten Jahrhunderten. Die Katastrophe nahm ihren lauf, wir konnten es nicht mehr ändern, es war einfach zu spät!

Nikopol:

Nichts war zu spät! Deine Inkompetenz trägt die Schuld und wahrlich mag ich nicht in deiner Haut stecken, du Vernichter – du Vernichter der Welten! Ich verabscheue dich. Dich und dein verrohtes Handeln. Mit edlen Taten kannst du nicht glänzen.

Kris:

Und ich sage dir doch: Nicht alles ist verloren; Das innere lebt weiter!

Nikopol:

Du weißt nicht, was du redest! Du bist verrückt, ich habe viele Jahre geforscht, erkundet, untersucht und gehofft. Es hat sich nichts ergeben, die Böden sind trocken, Regen viel das letzte mal vor 400 Jahren und das Grundwasser ist so gut wie jedes Rattengift. Ein Schluck Wasser zum Mund macht dich krank und der zweite lässt dich sterben – zum dritten wird es niemals kommen können und das ist nur deine Schuld.

Kris:

Verdammt, Du musst endlich lernen, damit umzugehen! 300 Jahre sind es jetzt und du bist noch immer der selbe Sturkopf wie damals. Alles verändert sich, nur du bist noch der selbe Narr, ich kann es kaum glauben!

Nikopol:

Bin ich derjenige, der die 300 Jahre alleine im Stillen auf diesem leeren, rotierenden Felsen verbracht hat, oder bist Du es? Ich weiß nicht wo du warst, ich will es nicht wissen, verschwinde wieder, auf der stelle, SOFORT! Raus mit dir, geh wieder in dein Eden! Du verschwendest deine Zeit, ich will dich nicht mehr sehen, nichts mehr mit dir zutun haben!

Kris:

Vergiss nicht, wer damals die Antima-Generatoren gehalten hat. – Ich war es nicht!

Nikopol:

Ja, mach nur. Schieb’ die Schuld beiseite, wälz den Terror und den Tot auf mich ab, es macht dir ja nichts aus, du großer Schutzgeist, du Waisenvater.

Kris:

Mach dich nicht lächerlich, Nikopol!

Nikopol:

Nimm meinen Namen nicht in den Mund, du Bluthund! Wage es ja nicht noch einmal zurück zukommen, nicht auch nur ein einziges mal, sonst wird mein Schwert dich treffen und in zwei zerschneiden und es ist mir verdammt ernst, Kris!

Kris:

Wie du meinst. Ich werde gehen, du hast mir nicht zugehört, du willst mir nicht zuhören; Ein Narr bist du, nichts als ein Narr! Verrotte doch hier auf deiner stinkenden Insel aus Metall und Schrott umgeben von einem Meer aus ranzigem Schlamm, du hast es nicht besser verdient.

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2 Responses to Im Müll

  1. Steven says:

    So richtig schlau werde ich nicht daraus, aber ich kenne weder “The Quiet Earth” noch “Six-String Samurai”. Das Szenario kommt mir allerdings schon bekannt vor. Zerstörte Erde und langsamer Wiederaufbau, weiß bloß nicht mehr von wo…

    Das Gespräch gefällt mir schon. Macht lust auf mehr. Für eine Kurzgeschichte fehlt allerdings irgend wie der “lehrreiche Schluss”. Ist zumindest mein Gefühlt. Wie gesagt, macht Lust auf mehr von diesem Universum.

    ps.: Im letzten Absatz “Ein Narr ist du” müsste das nicht “Ein Narr bist du” heißen?

  2. Lexx says:

    Ups, stimmt… “bist” muss das heißen. :>

    Das der “lehrreiche Schluss” bei dem Dialog fehlt, stimmt schon. War auch teilweise so beabsichtigt, obwohl das Ende echt mal ultimativ unkreativ ist. Aber so tragisch sehe ich das jetzt auch nicht. Ich hab auch darauf verzichtet, viele Details zu erklären (Antima-Generatoren, ect.), weil ich mir dachte, wenn ich tatsächlich noch mal was zu dem Szenario schreiben werde, kann ich mir noch etwas dafür aufheben. :)

    Btw. mir ist auch aufgefallen, dass die weißen Balken vom blockquote irgendwie hässlich aussehen… da sollte ich am Wochenende wohl mal was ändern…

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