Oh du 57er Gibson Hollow Body Guitar

Oder auch: Ode an einen Helden.

Vorne der Sarg, dahinter eine riesige Orgel mit Orgelpfeifen bis in den Himmel, Flammen lodern links und rechts, Glamour und eine berauschende Stille liegt in der Luft und da kommt er herein, seine 57er Gibson Hollow Body Gitarre fest in der Hand, die weißen, mit Diamanten bestickten 70ger Jahre Schlaghosen, das sauber glänzende Schuhwerk, der geschmierten Frisur und die Sonnenbrille tief im Gesicht. Da kommt er hinein geschritten, empor die Stufen mit seinen Kotletten, den gebändigten Haaren, dem Gang eines königlichem Königs, des Triumphes mächtiger als des mächtigsten Mächtigen und Würdiger als dem eines Löwen jemals würdig sein könnte. Hinauf geschritten, die letzten Stufen, eins, zwei, drei, er schaut hinunter, schaut in die Menge, schaut ihre Augen, ihre Gesichter, ihre Kleidung. Die Stimmung ist beunruhigend und ruhig, ein Paradoxon und alle warten. Sie warten und warten und warten, ein Raunen durchzieht die Hallen bis in die Ewigkeit. Ruhe. Sein Blick wandert. Seine Hände angespannt und nass. Geschwind wie eine weiße Taube, einem Adler gleich, einer Gazelle die durch die Wüstenebenen springt, greift er sein Klangbrett, die Gitarre in der Hand, sein Gesicht verzerrt, voll Emotionen — und so spielt er — den ersten Ton! Den ersten Ton so kraftvoll durchdringend, Mark und Bein, die Engel im Himmel, sie erzittern, das Himmelszelt fällt Sturm, Krieg in den Ohren, Krieg in der Luft, Krieg durch die 57er Gibson Hollow Body Gitarre und so spielt er die Klänge und die Seiten zerbersten in einem einzigen Ton.

Und er steht da und sieht sich um. Seine Augen wandern nach links, seine Augen wandern nach rechts. Er atmet auf. Seufzt. Die Menge ist starr. Die Menge ist starr und weint und der Sarg schließt sich langsam.

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